PACECRAFT | Das fängt ja gut an - Neujahrsmarathon in Zürich 2016
Der erste offizielle Lauf des Jahres 2016. Halbmarathon in Zürich.
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Das fängt ja gut an…

Neujahrsmarathon Zürich 2016

Das fängt ja gut an…

Es ist Silvester, 23:45 Uhr und ich befinde mich nicht etwa leicht angetrunken auf der Tanzfläche einer Silvesterparty – obwohl man dies wegen der Diskobeleuchtung, der Luftschlangedekoration und des anheizenden DJs durchaus vermuten könnte – , sondern gut hydriert und schon leicht panisch in einer Kloschlange. Flüssigkeitsmanagement ist schließlich ein wichtiger Faktor in der akuten Vorbereitung auf einen Halbmarathon. Die Schlange ist schon noch ziemlich lang, schaffe ich es noch rechtzeitig zum Start?

Ich hatte beschlossen, mich dieses Jahr nicht der Freude über die Änderung der letzten Stelle der Datumsanzeige meines Smartphones und einer entsprechenden Feier selbiger hinzugeben, sondern direkt mit Start des neuen Jahres auch mit der Umsetzung meiner Ziele zu beginnen. Und als erstes war die Verbesserung meiner Halbmarathon-Bestzeit dran. “Direkt” bedeutet dabei nicht am ersten Wochenende des Jahres oder am Morgen des 1. Januar, sondern eben sofort um Mitternacht. Und so finde ich mich mit knapp tausend anderen Irren in einer Sporthalle in Schlieren wieder, einem mir bisher völlig unbekannten Ort bei Zürich. Aber eben auch der Ort, in dem der erste offizielle Lauf des Jahres startet, der Neujahrsmarathon Zürich.

Selbstverständlich schaffe ich es rechtzeitig. Man sollte sich bei der Umsetzung seiner Ziele ja auch wirklich nicht von der Verfügbarkeit sanitärer Einrichtungen einer schweizer Kleinstadt beeinflussen lassen.

Countdown, Startschuss, loslaufen. Erstmal ein ganz normaler Lauf und dann etwa so, wie man es auch erwarten kann. Es ist dunkel und alle laufen mit Stirnlampe, was in Kombination mit der reflektierenden Laufkleidung von Weitem etwa wie ein riesiger fluoreszierender Tausendfüßler aussehen muss. Da die Strecke sehr schmal ist, bleibt das auch ne ganze Weile so. Gesäumt wird das Ganze dann von unkoordiniertem Feuerwerk der Anwohner, einigen Fackeln an Abzweigungen und blitzenden Fotografen. Ansonsten ist die Strecke unbeleuchtet. Außer den Helfern an Kreuzungen und Versorgungsstationen gibt es keine Zuschauer an der Strecke. Die wenigen, die von den Läufern mitgeschleppt wurden, feiern nebenbei in der Sporthalle. Dort sind auch Start, Ziel und man kommt nach jeder 10,55-Kilometer-Runde einmal durch, läuft um das feiernde Volk drumrum und dann wieder raus auf die nächste Runde.

Im Dunkeln auf unbekannter Strecke zu laufen erfordert schon etwas mehr Konzentration und das Feuerwerk lenkt durchaus etwas ab. Auf der zweiten Runde fällt mir dann aber endlich doch noch auf, dass ja Neujahr ist, ich feiere kurz innerlich und beende dann auch die zweite Runde. Mit Bestzeit. 1:53 Uhr und das erste Ziel des Jahres ist bereits erreicht. Ich freue mich riesig. Jetzt kann auch gefeiert werden. Mit dem Ziel hatte ich ja praktischweise auch die laufende Feier erreicht. Lustiger Nebeneffekt des frühen Starts: Für ganz kurze Zeit tauche ich auf der Jahresweltrangliste auf. Auf Platz 29. Ich freue mich noch mehr.

Die Veranstaltung schafft sich so ihre eigene kleine Bubble. Eigenartig wirkt nur das, was nicht drin ist, wie etwa An- und Abreise, Vor- und Nachbereitung. Während ich Sportsachen packte, Equipment kontrollierte oder Wasser trinkend Richtung S-Bahn ging, fand gleicherorts etwas völlig anderes statt: meine Mitbewohner im Hostel machten sich für die bevorstehenden Feierlichkeiten schick, Menschenmassen schlängeln sich zielstrebig durch die Innenstadt und verteilen sich auf die umliegenden Kneipen und Restaurants. Ein etwas unwirkliches Gefühl, als wäre man gerade in einem Film. Oder als wären alle anderen der Film.

Zwischen all diesen komischen Menschen dann aber ein kleiner Lichtblick am Hauptbahnhof. Die Kleidung verrät noch nichts, aber die Schuhe leuchten mir eindeutig entgegen und enttarnen ihren Träger. Ein kurzer Blick reicht. Dann ein “Hallo! Welche Strecke läuft du?”

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