PACECRAFT | Winterfest - laufen und trainieren im Winter
Viele Leute laufen nur im Frühling oder Sommer draußen, im Winter allenfalls auf dem Laufband oder eben gar nicht. Sie starten erst wieder durch, wenn die Sonne scheint und der Speck für die Bikini- oder Badehosenfigur weg soll. Schönwetterläufer.
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Winterfest

Winterfest

Winterfest

Sonntagmorgen, sieben Uhr. Beim Blick aus dem Fenster siehst du… nichts. Es ist noch zu früh, um etwas zu sehen. Es bleibt dir nichts anderes übrig als dich auf deine anderen Sinne zu verlassen: Bestes Messinstrument ist jetzt der linke Fuß. Du streckst ihn unter der Bettdecke hervor: Kalt. Ganz furchtbar kalt. Und das schon im Haus! Wie mag das erst draußen sein? Du siehst immer noch nichts. Also Aktivierung des zweitbesten Sensors: Du hörst den Wind und den Regen. Oder Schneeregen? Klingt matschig. Klingt ungemütlich. Klingt nach Winter.

Viele Leute laufen nur im Frühling oder Sommer draußen, im Winter allenfalls auf dem Laufband oder eben gar nicht. Sie starten erst wieder durch, wenn die Sonne scheint und der Speck für die Bikini- oder Badehosenfigur weg soll. Schönwetterläufer.

WINTERPAUSE VS. “WINTERPAUSE”

Auch Läufer, die im Sommer ein paar Rennen, einen Halbmarathon, Marathon oder noch mehr absolviert haben, sprechen davon, dass jetzt “endlich” die Winterpause beginnt. Aber sie meinen es im Grunde nicht so. Oder sie meinen es vielleicht sogar so, aber halten es nicht durch. Winterpause bedeutet: Nicht ganz so viel laufen wie im Sommer… jedenfalls nicht, sobald die Temperaturen unter minus 10 Grad sinken… und es stürmt… und gleichzeitig die Straßen vereist sind… und wenn doch, dann aber nur ganz langsam…  oder zumindest deutlich langsamer als sonst… also etwas langsamer… vielleicht.
Ein Läufer ist eben Läufer und das bei fast jedem Wetter. Wer sich ein Bild davon machen will, wie das so aussieht, kann sich mal diese Dokumentation über die Brocken-Challenge ansehen – und dabei im Hinterkopf behalten: das ist nicht mal annähernd das härteste Winterrennen.

NO SUCH THING AS BAD WEATHER

Auch wenn es vielen Laufanfängern zunächst absurd erscheinen mag: Wer Läufer ist, will laufen und lässt sich von schlechtem Wetter nicht so schnell abschrecken. Sobald das Laufen zur Gewohnheit und zu einem festen Bestandteil des Lebens und der Persönlichkeit geworden ist, wird das Wetter unwichtiger. Deshalb macht es vielleicht tatsächlich Sinn, mit dem regelmäßigen Laufen im Frühjahr oder Sommer zu beginnen. Dann ist es leichter, den ersten Winter durchzustehen. Andererseits: Wer mit dem regelmäßigen Laufen im Winter beginnt und es durchhält, es vielleicht sogar genießt und so vom Jogger zum Läufer wird, kann im Frühjahr die ersten echten Früchte des Trainings ernten und bereits fit in die Saison starten.

Außerdem ist das Wetter im Winter auch nicht immer schlecht. Ganz im Gegenteil: Ein langer, langsamer Lauf in kühler Luft bei Sonne, blauem Himmel und auf ganz frischem, glitzerndem und angenehm knisternden Pulverschnee kann um so vieles schöner sein als der Morgenlauf im August nach einer Nacht in der die Temperatur nicht unter 25 Grad gesunken, die Luftfeuchtigkeit unerträglich und die Mückenarmada unerbittlich ist.

Aber auch Kälte und Dunkelheit müssen nicht unbedingt schlecht sein. Wie so oft, ist das eigentlich nicht viel mehr als eine Einstellungssache, die sich mal mehr mal weniger leicht im Kopf durchziehen lässt. Zugegeben, bei Sturm und waagerechtem Regen ist es nicht ganz so leicht wie bei milden zehn Grad und Sonnenschein. Aber dennoch. Es lohnt sich tatsächlich.

„Sunshine is delicious, rain is refreshing,
wind braces us up, snow is exhilarating;
there is really no such thing as bad weather,
only different kinds of good weather.“
 — John Ruskin

IT’S ONLY COLD IF YOU’RE STANDING STILL

Wenn man nicht unter allen Umständen trainieren will, können die Trainingstage und -zeiten im Winter tatsächlich etwas eingeschränkt sein. Jetzt zahlt es sich aus, wenn man sich bereits angewöhnt hat, den längsten Lauf der Woche am Wochenende zu absolvieren. Am Samstag oder Sonntag ist die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Tageslicht laufen kann, für die meisten Menschen am höchsten.

Manchmal lohnt es sich, bei der Planung für die kommende Woche, die Wettervorhersage im Auge zu behalten. Kommt am Sonntag ein Schneesturm, den langen Lauf auf den Freitag schieben.

Wenn das Wetter wirklich zu schlecht ist, kann man auf dem Laufband trainieren. Oder einfach mal schwimmen oder turnen. Das ist nicht das Selbe. Aber besser als nichts und manchmal gar nicht so schlecht.

Immer, auch vor lockeren Läufen, möglichst gut aufwärmen und so Verletzungen vermeiden.

Bei langen Läufen das Trinken nicht vergessen und dafür sorgen, dass es nicht einfriert. Entweder vorgewärmte Getränke mitnehmen oder eine Iso-Flasche benutzen. Auch wenn der Flüssigkeitsverlust im Körper nicht so schnell so groß ist wie im Sommer: Nur weil es kalt ist, nicht nicht trinken!

Während in den Sommermonaten vieles von dem, was man als Läufer kaufen kann, Spielerei – nett, aber nicht unbedingt notwendig – ist, macht es Sinn, sich für den Winter gut auszurüsten. Schuhe, die Profil haben, das auch bei Nässe und Glätte halbwegs verlässlich ist, sind jetzt ebenso wichtig wie Funktionskleidung. Im Sommer ist es nur unangenehm, wenn der Schweiß in einem dicken Baumwoll-Shirt hängen bleibt. Im Winter ist es anstrengend und auch nicht ganz ungefährlich. Wer bei Kälte schwitzt, sollte die Feuchtigkeit am Körper so schnell wie möglich auch wieder loswerden. Ein gutes Shirt, ein warmes Shirt oder eine Laufjacke sind eigentlich unerlässlich. Eine gute Mütze,  ein Schal und Handschuhe erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass man auch bei eher miesem Wetter tatsächlich läuft, enorm.

Aber: Nicht zu warm anziehen, um zu viel Schwitzen zu vermeiden. Beim Loslaufen darf man ruhig ein wenig frösteln. Nach dem ersten Kilometer sollte es dann warm genug sein. Aber: Nicht zu wenig anziehen! Bei Minustemperaturen in kurzen Hosen laufen härtet nicht ab. Das macht keinen Sinn, sondern allenfalls krank. Wer sein Immunsystem stärken will, versucht es lieber nach dem Lauf oder auch so mit Wechselduschen.

Die Gefahren des Winters sind nicht nur Eis und Schnee. Gerade beim Übergang vom Herbst in den Winter können herabgefallene Äste, aber auch Blätter, Nüsse und dergleichen ein echter Nervfaktor werden. Deshalb besonders vorsichtig und aufmerksam laufen.

Bei Temperaturen um den Nullpunkt nicht zu schnell laufen. Nicht nur, weil es glatt sein könnte, sondern auch weil bei großer Anstrengung unter Umständen zu schnell zu viel kalte Luft in die Lunge gelangen kann. Wenn es richtig kalt ist, möglichst so langsam laufen, dass das Einatmen durch die Nase die ganze Zeit über möglich ist. Dann wird die Luft auf dem Weg in die Bronchien hinreichend vorgewärmt.

„It is only in sorrow bad weather masters us;
in joy we face the storm and defy it.“
 — Amelia Barr

PERSONAL BESTS ARE EARNED IN THE WINTER

Laufen ist Kopfsache. Das gilt ganz besonders im Winter. Wenn die Ausrüstung stimmt, kommt es eigentlich nur noch auf die richtige Einstellung an. Auch im Winter kann man das Laufen richtig genießen. Bei Sonne, Schnee und milden Temperaturen ist das nicht sehr schwer. Wenn es allerdings kalt und dunkel, stürmisch und nass draußen ist, macht es durchaus Sinn, den Blick ein paar Wochen in die Zukunft zu richten: Im Winter kann man viele gemütliche Kilometer sammeln, die sich im Frühjahr, zu Beginn der eigentlichen Laufsaison, richtig bemerkbar machen. Im Winter wird der Ausdauer-Grundstein für einen schnellen, starken und schönen Sommer gelegt. Und während im Frühjahr die Jogger mühsam ihren Winterspeck abtrainieren und sich durch die ersten Läufe quälen, bis das Bewegen endlich wieder Spaß und nicht nur völlig fertig macht, ziehen die Läufer mit einem Lächeln auf den Lippen lässig an ihnen vorbei und freuen sich über die nächste unangestrengte Bestzeit…

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